Hologram 
Wednesday, December 21, 2005, 01:53 PM
Hologram

Ich liege im Bett und werde von einer Stehlampe beschienen. Um mich herum ist Stille, nur in den Leitungen des Hauses steckt irgendwo ein Geräusch. Seit Stunden liege ich bewegungslos. Mein Anblick muss ermüdend sein.

Wie wäre es, jetzt allein an einem nächtlichen Strand zu stehen, in den Bewegungen und Geräuschen der Naturgewalten, im feuchten Sturm, im Dröhnen der Brandung, in dem man die isolierte Identität verliert. Ich betrachte die Sterne, die sich ruhig verhalten, während sich die Haare auf meinem Kopf drehen. Der fliegende Sand prickelt auf der salzklebenden Haut. Der Mond beleuchtet fahl die kleinen Steine, lässt die Gischt der Wellen glitzernd aus der Nacht erscheinen. Einige Lichter wackeln vor dem Horizont im Schwarz.

Andererseits sehe ich mich in einem Gartenstuhl auf einer hohen Veranda eines prunkvollen Hauses. Ich schaue in ein flaches, saftiggrün bewachsenes Tal, in dem es seltsam rauscht wie von kleinen Wasserläufen. Der Himmel ist weissblau. Ich bin sehr wach, obwohl meine Augen fast geschlossen sind, mein Kopf etwas geneigt, der Sonne wegen. Ich bemerke das erlahmende Sprudeln der sich erwärmenden Flüssigkeit in meinem Glas. Ich spüre nicht mehr, das ich es halte. Um mich herum herrscht Körpertemperatur.

Oder ich schwebe im Wasser, getragen von meiner Lunge, sodass Teile meines Rückens aus dem Wasser treten, mit geschlossenen Augen und der seltsam im Inneren der Ohren befindlichen Akustik des Unterwassers. So schwerelos nimmt mir die Kälte allmählich mein körperliches Gefühl. Wie Laub in Menschenform treibe ich ohne Richtung zwischen den türkisfarbenen Beckenrändern.

Dies Alles geschieht ohne eine Regung meinerseits und so spüre ich meine innere Ungeduld in aller Deutlichkeit. Meine Gedanken kreisen um einen Gegenstand, der von allen Seiten gleich erscheint, um eine Einzelheit, die alles besagt, Ausgangspunkt von allem Anderen ist.
Nun bedarf es keiner Ablenkung mehr.
Ich betreibe Geschäfte mit der Zeit, mit einfarbigen Blickfängen. Ich fühle die Unbekümmertheit eines einzelligen Lebens.

May 27 1991


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ein herrlicher Morgen 
Monday, November 7, 2005, 07:18 PM
Ein herrlicher Morgen
Nach unendlicher Nacht

Ich erlitt einen grossen Verlust
An Gewohntem und Verstand

Erfuhr eben jene Fürsorge
Einer ehemaligen Geliebten

Und dann die gewaltige Flut
Das sich verdichtende Gestöber

Ich war dann etwas
Was eine Windböe forttragen kann.

Cambridge 05


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(eine Neuigkeit) 
Thursday, October 27, 2005, 10:17 AM
Die Endstücke meiner Glieder
würden sich von mir lösen.
Ich hätte weder Hand noch Fuss.

Ich sei eine Belastung
in dem ausgewogenen System
und hätte unrecht geschlafen.

1991 Cadaques


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Treibholz 
Sunday, October 23, 2005, 09:09 AM
Diese Nacht ist das Dunkel
Das Meer wie Tinte
Der Himmel
wie mit Tinte gestrichen

Kein menschliches Licht
Noch Sterne zu sehen
Selbst der Mond ist fort
und von dort
wo die schwarzen Wellen brechen
kommen knackend die Treibholzmänner

Fahles, schmales Holz
klöppelt den Abhang hinauf
haucht an den düsteren Gräsern entlang
Der Wind faucht durch die Beine
die bleichen
dreht die Arme
wie Mühlradspeichen

Sie klappern hintereinander bergan
Du hörst sie nur, näher heran
bis du von ihnen umstanden bist
zum Ufer getragen
wo die Gezeiten nagen
Dirs Fleisch abwaschen
und dich zu denen gesellen
die in Nächten wie diesen
auf den Steinchen stochern
und die Menschlichen erhaschen

10.6.92


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Hectors Zuschauen 
Saturday, October 22, 2005, 09:25 PM
Hector, eine kuriose Person britischer Herkunft, erregte ein ums andere Mal Aufmerksamkeit durch Zuschauen. Ein Zuschauen, dass das Objekt des Zuschauens geringer werden liess als das Zuschauen selbst.
Irgendein Vorgang, sicherlich bemerkenswert durch eine gewisse Eigenartigkeit wurde von Hectors Zuschauen an Eindringlickeit und Stellenwertigkeit übertrumpft.
Das machte aus Hector eine Autorität, an die sich jedoch niemand wandte, da das Zuschauen Hectors, abseits, aber nicht distanziert, wohl interessiert, aber keineswegs aufdringlich neugierig, ja nun mal Hectors persönliche Sache war und Abstand gebot.
Etwas in Hectors Aufmerksamkeit war das Ereignis selbst, das Vorgehende sozusagen, und viele Augenzeugen, die später gefragt wurden, konnten lediglich kundtun, dass Hector zugeschaut hatte.

4/92 SF


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